Aderlass
Der Aderlass ist eines der ältesten Ausleitungsverfahren, um Krämpfe, Schmerzen und Entzündungen zu lindern. Bereits Hippokrates (400 J. v. Chr.) praktizierte den Aderlass. Auch Hildegard von Bingen (1098-1179) wendete den Aderlass an, um die Genesung einzuleiten. Im Mittelalter geriet der Aderlass wegen exzessiver Anwendung in Verruf. Manchmal wurden Patienten so oft zur Ader gelassen, bis sie verbluteten.
Beim Aderlass wird dem Patienten Blut abgenommen. Damit die Giftstoffe abfliessen können, wird mit einer eher dicken Nadel gestochen. Das Blut wird in ein Gefäss abgeleitet und beobachtet. Es ist zu Beginn schwärzlich und weist teilweise gelbliche „Kügelchen“ auf. Mit der Zeit färbt sich das Blut zu einem hellen klaren Rot. Das ist der Zeitpunkt an dem der Aderlass beendet wird. Bei diesem Vorgang wird nicht mehr als 200 ml Blut abgenommen. Manchmal reichen bereits 20ml.
 
 
Aderlass Hildegard von Bingen

Ein Aderlass nach Hildegard von Bingen sieht wie folgt aus:

 

1.
Etwa 5 Tage vor dem Aderlass soll auf speziell gesunde Nahrung geachtet werden. Diese sollte möglichst naturbelassen sein, keine Fertigprodukte, möglichst kein Fleisch, kein rohes Gemüse oder rohe Früchte, viel Trinken, auf Genussmittel verzichten.

2.

Der Aderlass wird nur am 1.-6. Tag nach Vollmond durchgeführt. An diesen Tagen fliessen die Giftstoffe, angezogen vom Mond, an der Körperoberfläche (zu vergleichen mit Ebbe und Flut im Meer).

3.
Es ist wichtig, dass der Aderlass nüchtern (nichts Essen und Trinken ab Mitternacht) durchgeführt wird. Es ist sogar verboten den Mund zu spülen. Jegliche Substanz im Mund vermischt die Säfte (d.h. die Giftstoffe sind nicht mehr auf die Peripherie konzentriert).

4. Nach dem Aderlass sollen die Augen 3 Tage lang vor Strahlen geschützt werden. Draussen soll die Sonnenbrille aufgesetzt werden. Der Aufenthalt in der Sonne sollte nur von kurzer Dauer sein. Ausserdem sollen Fernseher oder Computer gemieden werden. Die Diät (siehe Punkt 1) soll noch mindestens 3 Tage weitergeführt werden.

 

Nach der Therapie sollte nicht gearbeitet werden. Auch die nächsten 2 Tage wäre es besser, dem Körper Zeit zur Erholung zu geben.


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